Folgekosten des „sächsischen“ Atommülls

Das Land Sachsen bleibt zuständig für Atommüll, der im Atomforschungszentrum Rossendorf produziert wurde. Einige Zahlen:

  • Anzahl abgebrannter Brennstäbe des Atomforschungszentrums Rossendorf: 951
  • Anzahl Castor-Behälter, in denen der Atommüll ab 2005 ins westfälische Zwischenlager Ahaus transportiert wurde: 18
  • Jährliche Kosten für die Zwischenlagerung: 95.000 Euro
  • Laufzeit der Lagerverträge: bis 2036

Ehemaliger Eingangsbereich zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf



2010 war ein Transport ins russische Majak geplant, die Zusage wurde jedoch kurzfristig vom damaligen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zurückgezogen; Gründe waren Zweifel an den Sicherheitsstandards in Majak sowie befürchtete Proteste. Die Transportkosten wurden auf bis zu 35 Millionen Euro geschätzt. In der Anlage Majak ereignete sich 1957 ein Atomunfall, der auf der 7stufigen INES-Skala mit 6 eingeordnet wurde und damit nur von den Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl übertroffen wird. Da es sich um eine Explosion nach einer chemischen Reaktion handelte und dabei eine bodennahe radioaktive Wolke entstand, verblieb der überwiegende Teil des radioaktiven Materials auf dem Betriebsgelände.

Vor 2005 wäre der Transport ohne die heute erforderlichen Genehmigungen möglich gewesen. Kürzlich erhielt das Thema Aktualität, weil Umweltminister Altmaier von einer Nivellierung des Atomgesetzes sprach. Bald wurden jedoch Atommülltransporte ins Ausland vom Ministerium wieder ausgeschlossen.

Atommüll Zwischenlager Ahaus

P. S. Das „sächsisch“ in der Überschrift habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil Atommüll meines Erachtens von privatwirtschaftlichen Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen produziert wird und nicht von den Bürgern eines (Bundes-)Landes. Bei den Atommülltransporten von der französischen Plutoniumfabrik La Hague nach Gorleben wurde gern von „deutschem“ Atommüll gesprochen, um „unsere“ Verantwortung zu betonen. Frei nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.

Quelle: Sächsische Zeitung




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