Signifikanztests bei Mehrfachantworten in SPSS

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Kann man bei Mehrfachantworten Signifikanztests ausführen? Mehrfachantworten setzen sich typischerweise aus mehreren Variablen zusammen. Z. B. könnte in drei Variablen erfasst werden, welche Zeitungsarten jemand liest: Tageszeitung, Wochenzeitung, Fachzeitschrift. Nun wollen wir wissen, ob es bei den Lesegewohnheiten Geschlechtsunterschiede gibt bzw. anders formuliert, ob Lesegewohnheiten und Geschlecht von einander unabhängig sind.

Chi-Quadrat-Test für Kreuztabellen

Dazu bietet sich der Chi-Quadrat-Test an. Wir könnten für jede Zeitungsart einzeln testen, ob es Geschlechtsunterschiede gibt. Schöner wäre es jedoch, dafür ein Mehrfachantworten-Set zu nutzen, also eine gemeinsame Kreuztabelle mit den Zeitungsarten und dem Geschlecht zu erstellen. In SPSS können wir unter Analysieren – Mehrfachantworten – Kreuztabellen zwar eine solche Tabelle erstellen, jedoch steht hier kein Signifikanztest zur Verfügung.

Chi-Quadrat-Test bei Mehrfachantworten: Benutzerdefinierte Tabellen

Bei den benutzerdefinierten Tabellen (custom tables, ctables) ist dies möglich. Dieses Modul ist nicht im Basisumfang von SPSS enthalten. Wer darüber verfügt, kann unter Analysieren – Tabellen zunächst das Mehrfachantworten-Set definieren, also die Variablen angeben, die gemeinsam als Mehrfachantworten auszuwerten sind. Dann wird eine Kreuztabelle zusammengestellt, und hier steht nun auch der Chi-Quadrat-Test zur Verfügung. Hier ein Syntaxbeispiel:

Oben wird das Set definiert, hier als Dichotomien, d. h. mit 0/1-codierten Variablen.

Unten wird die Kreuztabelle angefordert, wobei das Mehrfachantworten-Set mit dem Dollarzeichen gekennzeichnet ist: „$Zeitungen“. Die Zeile „/sigtest type=chisquare“ fordert den Chi-Quadrat-Test an.

Das Ergebnis kann z. B. so aussehen:

40% der Frauen lesen Tageszeitung, aber 100% der Männer. Alle Frauen (100%) lesen Wochenzeitungen, aber nur 20% der Männer. Die Geschlechtsunterschiede sind deutlich und laut Chi-Quadrat-Test auch signifikant (p=0,006). Allerdings sind in diesem konstruierten Beispiel die Fallzahlen sehr gering. Zu viele Zellen sind zu schwach besetzt, sodass die Ergebnisse sehr vorsichtig zu interpretieren sind.

Hier ein Beitrag zur Interpretation von Mehrfachantworten; vgl. auch den Blogartikel dazu.

In folgendem Videobeitrag zeige ich, wie benutzerdefinierte Kreuztabellen in SPSS gestaltet werden können: