Finanzkrise: Kompliziert, für „normale“ Menschen unverständlich – oder ganz einfach?

200-Euro-Schein

Die Hintergründe der Finanzkrise zu verstehen ist sicher nicht einfach. Viele sehr schlaue Köpfe sind damit beschäftigt. Zu den sehr Schlauen zählt sich der Autor dieses Beitrags eindeutig nicht.

Was, wenn die Ursache doch relativ einfach wäre? Gedankenexperiment:

Eine neue Volkswirtschaft wird gegründet. Akteure: eine Bank und 5 Personen. Jede Person erhält zum Start 100 Geldeinheiten. Da die Bank für die Herstellung des Geldes sowie die Kontenverwaltung zuständig ist, erhebt sie 5% Zins pro Jahr, was einleuchtend klingt. Nach einem Jahr des Wirtschaftens bestehen folgende Kontostände:

200-Euro-Schein

Person A: 150 Geldeinheiten
Person B: 120 Geldeinheiten
Person C: 110 Geldeinheiten
Person D: 70 Geldeinheiten
Person E: 50 Geldeinheiten

Gesamtbestand: 500 Geldeinheiten, also genau der insgesamt ausgegebene Betrag.
Die Personen A, B und C haben erfolgreich gewirtschaftet und können den Zins entrichten. Person D und E können dies nicht und müssen eben einen weiteren Kredit aufnehmen, der wiederum verzinst wird.



So weit, so gut – wo liegt das Problem? Individuell betrachtet scheint alles zu funktionieren – wer fleißig bzw. erfolgreich ist, kommt über die Runden, wer schlecht wirtschaftet, eben nicht. Das Problem besteht darin, dass der Anspruch der Bank nach einem Jahr so aussieht:

500 Geldeinheiten + 5% Zins = 525 Geldeinheiten

Es befinden sich jedoch nur 500 Geldeinheiten im Umlauf. Die Geldmenge wächst durch Ausgabe von Krediten, die wiederum verzinst werden. Es ist gar nicht möglich, dass die Zinsen insgesamt zurückgezahlt werden; vielmehr steht von vornherein fest, dass weitere Kredite notwendig sind. So beginnt die Verschuldungsspirale. Das fällt nur nicht so sehr auf, weil der individuelle Erfolg im Vordergrund steht und es einige schaffen, sich über Wasser zu halten.

Zur Diskussion gestellt: Ist es tatsächlich so einfach?

Dazu empfehle ich folgendes Video, das etwas mehr ins Detail geht, indem es die Geschichte des Goldschmieds Fabian erzählt: Gib mir die Welt plus 5%. Sind Finanzkrise, Staatsverschuldung, Zinseszinseffekt & Co. damit erklärbar? Die Anmerkung zu Beginn gefällt mir:

Eventuelle Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten und Personen sind weder zufällig noch unbeabsichtigt.

 

Dieser Beitrag ist ein Update zu Exponentielles Wachstum (II): Der Josephscent.




Ein Gedanke zu „Finanzkrise: Kompliziert, für „normale“ Menschen unverständlich – oder ganz einfach?“

  1. Staatsverschuldung – kurz gefasst

    „Zur Funktion einer Volkswirtschaft ist es erforderlich, dass der Geldkreislauf immer geschlossen bleibt. Um dies zu gewährleisten, müssen im gleichen Umfang, in dem die Geldvermögen zunehmen, auch die Schuldenaufnahmen ausgeweitet werden. Die Geldvermögen haben sich jedoch in Deutschland seit 1950 etwa alle zehn Jahre verdoppelt und damit – in reale Größen umgerechnet – bis 2009 auf das 46-fache vermehrt, während die Wirtschaftsleistung „nur“ auf das 8-fache zugenommen hat.
    Während diese ständig wachsenden Geldvermögen in den ersten Nachkriegsjahrzehnten noch von der Wirtschaft über Kreditaufnahmen absorbiert werden konnten, waren seit den 1970er Jahren die Staaten zunehmend gezwungen, die entstehenden Lücken durch Schuldenaufnahmen zu schließen. Da jedoch die eskalierenden Geldvermögen auch damit nicht mehr ausreichend eingebunden werden konnten, kam es zu jenen Spekulationsexzessen bei Börsen und Banken, deren Zusammenbrüche jetzt mit Steuermitteln aufgefangen werden müssen.
    Das größte Ärgernis dieser Staatsverschuldungen von inzwischen 1,8 Billionen Euro in Deutschland ist jedoch der Tatbestand, dass sie uns gar keinen Nutzen gebracht haben. Denn den Kreditausweitungen zwischen 1970 und 2009, in Höhe von 1.596 Mrd. Euro, standen in der gleichen Zeit Zinszahlungen des Staates in Höhe von 1.562 Mrd. Euro gegenüber! D. h., nutzbar für Staat und Bürger waren in diesen 39 Jahren nur jene 34 Mrd. Euro, die sich aus der Differenz zwischen Kreditaufnahmen und Zinszahlungen ergeben. – Profitiert hat also alleine jene Bürger-Minderheit, die dem Staat ihr Geld geliehen hat: Sie ist um 1.562 Mrd. Euro reicher geworden.“

    Helmut Creutz (aus HUMANE WIRTSCHAFT 02/2011 S.12)

    Eigentlich bedarf es keines weiteren Beweises, dass Politiker keine Volksvertreter sind, wobei sie nicht aus „bösem Willen“ handeln, sondern sie wissen wirklich nicht, was sie tun.

    Der „Jahrhundertökonom“ John Maynard Keynes wusste, dass eine „antizyklische staatliche Investitionspolitik“ die Katastrophe (globale Liquiditätsfalle) nur hinausschieben aber nicht verhindern kann, denn solange keine staatliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld („carrying costs“) erhoben wird und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt, ist der Staat niemals in der Lage, die Verschuldung wieder abzubauen. Keynes wusste aber auch, dass die „hohe Politik“ dumm genug sein würde, alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten einer staatlichen Investitionspolitik auszuprobieren, bevor sie ihr Versagen eingestehen würde, denn etwas anderes kann die politische Seifenoper in einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) sowieso nicht machen.

    Das einzig Sinnvolle, was Politiker tun können, ist, sich selbst überflüssig zu machen!

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

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