Mehrfachantworten in benutzerdefinierten SPSS-Tabellen: Anzahl Befragte UND Anzahl der Nennungen darstellen

Die Herausforderung bei Mehrfachantworten besteht darin, die Prozentzahlen korrekt zu interpretieren und insbesondere zwischen Prozent der Befragten und Prozent der Antworten zu unterscheiden. Dies habe ich in einem früheren Artikel anhand des MULT RESPONSE-Befehls dargestellt. SPSS hat sich offenbar entschieden, die mögliche Verwirrung, die aus Gesamt-Prozenten >100% entstehen kann, bei benutzerdefinierten Tabellen so zu lösen: es wird nur ein Gesamtwert dargestellt, der die Anzahl der Befragten enthält. Diese werden als 100% ausgewiesen.

Ich greife wieder auf das Beispiel aus dem ersten Artikel zurück: 10 Personen werden befragt, welche Zeitungsarten sie regelmäßig lesen. Syntaxbeispiel für eine benutzerdefinierte Tabelle; zunächst wird das Mehrfachantworten-Set definiert:

MRSETS
/MCGROUP NAME=$zeitungen LABEL=’Welche Zeitungen lesen Sie?’ VARIABLES=zeitung1 zeitung2 zeitung3
/DISPLAY NAME=[$zeitungen].

In unserem Beispiel gibt es drei Variablen zeitung1 bis zeitung3, die die möglichen Antworten “Tageszeitung”, “Wochenzeitung” und “Fachmagazin” enthalten. Achtung: SPSS kennt zwei unterschiedliche Arten von Mehrfachantworten-Sets. Für benutzerdefinierte Tabellen müssen auch die Sets im Menüpunkt “Tabellen” erstellt werden! Ist das geschehen, kann die Tabelle aufgebaut werden:

CTABLES
/vlabels variables=$zeitungen display=none
/TABLE ($zeitungen) [C] [COUNT F40.0 'n' colpct pct40.0 '%']
/categories variables=$zeitungen total=yes label=”Befragte” position=after empty=include
/title title=”Welche Zeitungen lesen Sie?”
corner=”Basis: alle Befragten”
caption=”Mehrfachnennungen möglich”.

Der Einfachheit halber habe ich auf Kreuzungsmerkmale verzichtet; sie könnten am Ende des Unterbefehls TABLE mit BY ergänzt werden. Der Gesamtwert wird mit “Befragte” beschriftet. In der Ecke wird die Datenbasis angezeigt (“corner”), unter der Tabelle ein Hinweis auf Mehrfachantworten platziert (“caption”). So sieht das Ergebnis aus:

Mehrfachantworten: Gesamt=Befragte


Wie bringt man SPSS dazu, die Anzahl der Nennungen sowie die Gesamt-Prozent der Nennungen ebenfalls anzuzeigen? Ich habe folgende Lösung gefunden – wer einen anderen (einfacheren!) Weg für benutzerdefinierte Tabellen kennt, darf sich gern bei mir melden.

CTABLES
/pcompute &x=EXPR([1]+[2]+[3])
/PPROPERTIES &x label=”Anzahl der Nennungen”
/vlabels variables=$zeitungen display=none
/TABLE ($zeitungen) [C] [COUNT F40.0 'n' colpct pct40.0 '%']
/categories variables=$zeitungen [1, 2, 3, &x] total=yes label=”Befragte” position=after empty=include
/title title=”Welche Zeitungen lesen Sie?”
corner=”Basis: alle Befragten”
caption=”Mehrfachnennungen möglich”.

Der Trick besteht in der Verwendung des Unterbefehls pcompute, mit dem eigene Berechnungen durchgeführt und in der Tabelle angezeigt werden können. In &x wird die Summe der drei Kategorien gebildet und in der folgenden Zeile bei pproperties als “Anzahl der Nennungen” definiert. Im Unterbefehl categories müssen alle verwendeten Kategorien nochmals aufgezählt werden, sonst gibt es eine Fehlermeldung. Hier das Ergebnis:

Mit dieser Tabelle ist meines Erachtens die Herausforderung Mehrfachantworten leichter zu bewältigen. 10 Befragte haben 17 Antworten gegeben, die Gesamt-Prozente der Antworten addieren sich daher auf 170%. 70% der Befragten lesen Tageszeitung.

Dieser Beitrag ist ein Update zu SPSS custom tables (benutzerdefinierte Tabellen): Lohnt sich das Zusatzmodul? sowie zu Benutzerdefinierte Tabellen mit SPSS (ctables): Beispiele für Mittelwerte.

Hier finden Sie weitere SPSS-Syntaxbeispiele.

SPSS - Das "A" fehlt nicht umsonst
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2 Gedanken zu “Mehrfachantworten in benutzerdefinierten SPSS-Tabellen: Anzahl Befragte UND Anzahl der Nennungen darstellen

  1. Ein Nachteil dieser Methode sei nicht verschwiegen: wenn Kategorien explizit angegeben werden, so wie hier [1, 2, 3] sowie die Summe der Anzahl der Nennungen mit &x, dann entfällt die Möglichkeit, die Kategorien nach Häufigkeit zu sortieren. Schade, dass man sich hier für eines von zwei wünschenswerten Merkmalen entscheiden muss. Will man beides, muss man einen Schritt manuell ausführen: entweder die Anzahl der Nennungen nachträglich ergänzen oder nachträglich nach Antworthäufigkeit sortieren.

  2. Pingback: Benutzerdefinierte Tabellen: Beschriftungen variieren | Statistik in Dresden

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