Uranabbau in Sachsen und Thüringen: langsame Fortschritte bei der Sanierung der Wismut-Gruben

Selten ist in den Medien die Rede von den langfristigen Folgekosten der Atomenergie. Eine Ausnahme bildet eine gestern veröffentlichte dpa-Meldung zur Sanierung der Wismut-Gruben. Zu DDR-Zeiten wurde in Sachsen und Thüringen jahrzehntelang Uran abgebaut, das auch für sowjetische Atomwaffen eingesetzt wurde. Die Wismut GmbH, die die Sanierung durchführt, ist heute ein bundeseigenes Unternehmen.

  • Unter-Tage-Arbeiten: zu 90% abgeschlossen
  • oberirdische Sanierung: geplant bis mindestens 2020
  • Bereich „Wasser“: Sanierung lediglich zu 50% abgeschlossen
    Bei heftigen Niederschlägen stieß die Wasseraufbereitungsanlage an ihre Grenzen, schwermetall-belastetes Wasser trat aus und floss in Bäche.
    2011 wurde die Anlage erweitert.
  • Sanierungskosten im Jahr 2011: 140 Mio. Euro
  • bisherige Gesamtkosten in Sachsen: 2,6 Milliarden Euro (!)
  • bisherige Gesamtkosten in Thüringen: 2,93 Milliarden Euro

Der Großteil der Kosten der angeblich billigen Atomenergie entsteht in ärmeren Ländern und bleibt meist vor den Augen der Nutznießer in den Industriestaaten verborgen. Große Uranabbaugebiete befinden sich in Afrika, in Australien in den Gebieten der Aborigines, in Indien und Kanada. Hier ein „Rundgang“ zum Thema Uran.

Um mit radioaktiver Strahlung konfrontiert zu werden, braucht es keinen GAU wie in Fukushima, der „Normalbetrieb“ reicht aus.

Das Problem radioaktiver Schlacke tritt übrigens nicht nur beim Uranabbau auf. In der Mansfelder Mulde, zwischen Harz und Halle, wurden zu DDR-Zeiten Kupfer- und Silbervorkommen ausgebeutet, der Kupferschiefer war uranhaltig. Aus den Gesteinsresten wurden Pflastersteine gegossen. Diese Kupferschlackesteine strahlen laut einem Spiegel-Bericht von 1991 durchschnittlich mit 700 Becquerel pro Kilogramm. Sie wurden zum Straßenbau in Ost und West verwendet und auch in Wohnhäusern, Garagen, Gartenmauern und Ställen verbaut. Der Platz vor der Dresdner Semperoper ist mit diesen Steinen gepflastert.



Bemerkung am Rande: Der Titel der oben erwähnten Spiegel-Ausgabe von 1991 lautet: „Angst um die D-Mark“.

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Der DEFA-Film „Sonnensucher“ von Konrad Wolf (Regie) ist leider nicht erhältlich.


3 Gedanken zu „Uranabbau in Sachsen und Thüringen: langsame Fortschritte bei der Sanierung der Wismut-Gruben“

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