Fernkurs Datenbankentwickler: Hat sich das gelohnt?

Fernkurs Abschlusszeugnis SGD

Im Januar diesen Jahres konnte ich endlich den Fernkurs Datenbankentwickler für Access 2007/MySQL abschließen. Zeit für ein Fazit: Hat es sich gelohnt?

Die Entscheidung war 2009 auf den Anbieter SGD gefallen. In Dresden ist das eine mindestens zweideutige Abkürzung. Hier ist natürlich nicht die SG Dynamo Dresden gemeint, sondern die Studiengemeinschaft Darmstadt.

Das SGD-Angebot überzeugte mich vor allem durch seine Breite, d. h. Themenvielfalt, und insbesondere den Schwerpunkt auf internetbasierte Datenbank-Anwendungen. Hier erschien mir der SGD-Lehrgang im Vergleich zu den Angeboten anderer Fernkurs-Anbieter zeitgemäßer.

Fernkurs Abschlusszeugnis SGD

Aus einem früheren Fernkurs Polnisch (Anbieter: Linguaphone / Axel Andersson Akademie) wusste ich, dass die Zeitangaben, wie schnell so ein Kurs absolviert werden kann, mit Vorsicht zu genießen sind. Ich meldete mich erst verbindlich an, nachdem mir zugesichert wurde, dass die kostenlose Betreuungszeit über die vorgegebene Kursdauer von 12 Monaten sowie die offiziell genannten 18 Monate hinaus bis auf 30 Monate verlängert werden kann. Als Selbständiger ist mein Zeitrahmen stark von der Auftragslage (und natürlich dem finanziellen Erfolg) abhängig. Ich wollte den Spielraum haben, bei Bedarf den Projekten Vorrang zu geben.

Da so ein Fazit immer subjektiv ist, möchte ich zunächst meine Motivation offen legen. Ich hatte gut zwei Jahre Selbständigkeit hinter mir und es lief gut genug, um dabei zu bleiben. Als Soziologe hatte ich mich auf statistische Datenanalysen spezialisiert, die ich  überwiegend mit SPSS durchführte, zum Teil auch mit Stata. Excel-VBA-Programmierung spielte ebenfalls eine Rolle. Die Daten stammten oft aus Datenbanken; in einigen Projekten verwendete ich in SPSS SQL-Abfragen für den Daten-Import. An Access-VBA-Programmierung hatte ich mich auch schon versucht, merkte aber, dass mir ein paar Datenbank-Grundlagen fehlten. Außerdem hatte ich mit CATI-Programmierung zu tun (CATI=computer assisted telephone interview, computergestütztes Telefon-Interview), wo der Trend immer stärker zu internetbasierten Lösungen ging. Ich hatte Lust auf Weiterbildung, die Kursinhalte knüpften gut an meine Tätigkeit an.

Erfahrungen mit dem Kurs

Die ersten Lernhefte mit Datenbanktheorie und Umgang mit Access empfand ich als einfach. Rechnet man grob einen Monat pro Lernheft, so war ich anfangs weit vor dem Zeitplan. Dank der Vorkenntnisse fiel mir auch der VBA-Teil mit Access recht leicht.

Dann gab es einen „Knick“. Zum einen arbeitete ich an einem Großauftrag, der mir kaum Zeit für den Fernkurs ließ. Zum anderen empfand ich den PHP-Teil als deutlich schwieriger. Programmier-Verständnis hatte ich schon, aber es gab öfter kleine Details, die einfach nicht klappen wollten und die mich mehrere Stunden kosteten, bevor ein Skript wie gewünscht funktionierte. Die Betreuung war dabei stets gut; in solchen Situationen wollte ich jedoch nicht zu schnell aufgeben. Schließlich ist der Lerneffekt bei selbst gefundenen Lösungen größer. Es gab mehrere Monate, in denen ich kein Lernheft abschließen konnte. Dank eines Computervirus musste ich die Installation des lokalen Servers (Apache) und der PHP-Entwicklungsumgebung inklusive etlicher manueller Änderungen an der Standardkonfiguration wiederholen.

Schließlich hatte ich wieder mehr Zeit für den Kurs. Die fortgeschrittenen PHP-Anwendungen waren deutlich spannender als der Einstieg; mit jedem Heft rückte das Ziel näher, die Motivation stieg wieder, bis es geschafft war.

Grenzen der Anwendbarkeit des neuen Wissens [rettet des Genitivs!]

Zunächst der kritische Teil: ich konkurriere derzeit nicht mit Profis der Datenbank-Programmierung um Spezialaufträge. Die Themenbreite des Kurses ist in dieser Hinsicht ein Nachteil: viele Themen, wie z. B. CGI/Perl und ASP (Active Server Pages) werden nur kurz angerissen. Um hier wirklich fit zu werden, ist eine weit über den Kurs hinausgehende Vertiefung erforderlich. Mein Tagesgeschäft gibt eine solche Vertiefung kaum her.



Außerdem musste ich feststellen, dass Wissen im IT-Bereich schnell veraltet. Die Versionen von PHP, Apache, MySQL usw., auf denen der Kurs basierte, waren nicht mehr aktuell, als ich die entsprechenden Lernhefte bearbeitete.

PHP wurde „von der Pike auf“ eingeführt, d. h. der Code wurde in einen Texteditor (immerhin mit Syntax-Highlighting) getippt. In der Praxis werden eher Frameworks wie Yii, CodeIgniter, CakePHP, Zend oder Symfony eingesetzt, auf die im Rahmen des Kurses nicht eingegangen werden konnte.

Die positive Seite: Nutzen des Kurses, Anwendung des Gelernten

Den größten Nutzen aus dem Kurs ziehe ich derzeit bei der Bearbeitung dieser Website. Für die Erstellung der Seite habe ich, anders als viele Selbständige, keinen Cent investiert. Die einzigen Kosten entstehen durch Hosting und die (zur Zeit dank der Präsenz des Blogs sehr geringen) Werbekosten bei Google AdWords. Zugegeben: mit WordPress ist es nicht schwierig, eine Seite zu basteln. Dank des Kurses ist meine Hemmschwelle sehr gering geworden, direkt in den PHP-Code einzugreifen. Das geschah bisher an folgenden Stellen:

  • Übersichtsseiten im Blog (Startseite, Monatsarchiv, Kategorie-Archiv, Schlagwort-Archiv): Exzerpte statt Volltext; Artikelzähler eingebaut –> an bestimmten Stellen werden gezielt Banner oder Linkblöcke angezeigt
  • Einzelartikel: Werbung themenspezifisch einblenden (derzeit Greenpeace Energy bei den Schlagworten Fukushima und Energiewende; wird evtl. bald erweitert)

Außerdem fiel es mir recht leicht, eine lokale Entwicklungsumgebung einzurichten. Auf dem nicht im Web erreichbaren localhost-Server kann ich Änderungen an der Seite testen, bevor sie am „echten“ Webauftritt vollzogen werden.

Weitere Vorteile sind natürlich: besseres Profil bei Bewerbungen (sei es auf Stellen oder um Aufträge); gestiegenes Selbstvertrauen; der Nachweis, in punkto Weiterbildung „am Ball zu bleiben“; der Nachweis der Ausdauer und Selbstdisziplin, …

Was sollte man mitbringen, um so einen Kurs zu schaffen? Für wen ist er geeignet?

Was generell im Berufsleben und besonders in der Selbständigkeit gilt, gilt natürlich auch hier: Ausdauer, ein „dickes Fell“ und die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Es klappt nicht alles auf Anhieb oder wie geplant. Die SGD kann ich empfehlen, wobei ich sagen muss, dass ich bestimmt ein pflegeleichter Kunde war, da ich die Betreuung kaum in Anspruch genommen habe.

Spätestens im Testmonat sollte man gründlich und ehrlich im Umgang mit sich selbst prüfen, ob einem diese Art des Lernens liegt. Sie findet überwiegend „im stillen Kämmerlein“ statt, ohne direkten Austausch mit anderen. Der online-Campus ist gut gemacht und hilfreich, aber schon etwas anderes als gemeinsames Lernen mit direktem persönlichem Kontakt. Den Vorteil der freien Zeiteinteilung wusste und weiß ich sehr zu schätzen. Dessen Kehrseite ist natürlich die erforderliche Selbstdisziplin.

Vorkenntnisse (Programmierung, VBA, PHP) schaden nicht, sind aber keine Bedingung. Wo keine Vorkenntnisse bestehen, ist mit höherem Zeitaufwand zu rechnen.




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