“Gute Noten für Dresdens Radverkehr” – wirklich?

Schlagzeile der Sächsischen Zeitung: “Gute Noten für Dresdens Radverkehr”. Erstmalig wurde für Dresden das sog. Bicycle Policy Audit (BYPAD) durchgeführt. Dabei wurde die Radverkehrspolitik Dresdens anhand von Themenfeldern wie “Strategien & Konzepte”, “Kommunikation & Partnerschaften” sowie “Finanzen & Personal” eingeschätzt. Dresden erhielt 2,3 von vier möglichen Punkten. Leipzig hatte 2,2 Punkte erhalten (2009), das als Fahrradstadt bekannte Münster 2,9.

Ist das wirklich ein gutes Ergebnis? Die BYPAD-Methode unterscheidet vier Qualitätslevel (daher die Maximalpunktzahl von 4). Wird überhaupt nichts für den Fahrradverkehr unternommen, so entspricht das Stufe 0.

  • Stufe 1: Ad-hoc-Ansatz (“Feuerwehrprinzip”)
  • Stufe 2: isolierte Maßnahmen (Robinson Crusoe Prinzip”), die oft kontraproduktiv wirken, weil sie nicht auf die Bedürfnisse der Straßenbenutzer abgestimmt sind oder nicht in die Ziele anderer Politikfelder integriert werden; Kontinuität ist somit nicht sichergestellt
  • Stufe 3: systemorientierter Ansatz (“Wir ziehen am gleichen Strang”): Fahrradfahren ist in die Mobilitätspolitik eingebunden; verschiedene Zielgruppen werden mit spezifischen Maßnahmen angesprochen, teilweise in Kooperation mit anderen öffentlichen und privaten Partnern; Radverkehrspolitik beruht auf guter Datenkenntnis und Wissen um die Bedürfnisse; Maßnahmen werden auf Projektbasis mit begrenzter Laufzeit umgesetzt
  • Stufe 4: integrierter Ansatz (“Die Siegermannschaft”); Radverkehrspolitik wird als kontinuierliche Aufgabe aufgefasst, die stark mit anderen Politikfeldern verbunden ist; starker politischer Rückhalt, regelmäßige Budgets; breite Datenbasis; regelmäßige Evaluation; strategische Partnerschaften etc.
Die Durchschnittsnote von 2,3 ist somit ein ganzes Stück vom systemorientierten Ansatz entfernt. Überwiegend bewegt sich Dresdens Radverkehrspolitik auf dem Niveau “isolierter Maßnahmen, die oft kontraproduktiv wirken”. Dennoch ist es positiv, dass die Zertifizierung unternommen wurde. Mit den Ergebnissen wird es bestimmt einfacher, Verbesserungen anzustoßen und künftig noch systematischer auf einander abzustimmen.

Ähnliches galt für Leipzig – hier ein guter Artikel dazu in der Leipziger Internetzeitung. Positivere Pressemeldungen gab es in Leipzig ebenfalls, z. B. hier beim info tv leipzig.

Was halten Sie von Dresdens Radverkehrspolitik, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Weitere Quellen:
Pressemitteilung der Stadt Dresden
Detaillierte Beschreibung der Bypad-Methode (PDF, englisch); die vier Stufen sind ab Seite 11 beschrieben
Und hier ein schöner Artikel des ADFC Dresden.

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