Statistisches rund um Glücksspiele

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Glücksspiele haben die Menschen schon seit undenklichen Zeiten fasziniert. Den einen geht es um den „Kick“ (Aufregung), manchen auch um Geselligkeit, Entspannung oder Ablenkung. Geringe Bedeutung haben zudem die Motive „Sich auskennen“ und „Ungestört sein“. Das wichtigste Glücksspiel-Motiv der Deutschen ist laut BZgA / Forsa / Statista jedoch mit großem Abstand die Hoffnung auf Geldgewinn. Dieser Antrieb wurde zwischen 2007 und 2013 konstant von mehr als zwei Dritteln der Befragten genannt (Auswahlkriterium: mindestens 1x Glücksspiel in den letzten 12 Monaten).

Glücksspielmotive der DeutschenEines der bekanntesten Casinospiele ist Blackjack. Es ist ein Abkömmling des französischen „vingt-un“ bzw. „vingt-et-un“ bzw. deutsch „Einundzwanzig“ oder „Siebzehn und vier“. Andere Quellen führen es auf das spanische „Einunddreißig“ zurück.

Beat the Dealer: Eine Strategie, den Croupier bzw. das Casino zu schlagen

Ein wichtiger Einschnitt der Black-Jack-Geschichte war Edward O. Thorps Buch Beat the Dealer: A Winning Strategy for the Game of Twenty-One, in dem er eine Gewinnstrategie durch Kartenzählen vorstellte. Das heißt: Wenn der Spieler über die Restkarten im Stapel informiert war, konnte er seine Spielstrategie entsprechend anpassen und eine höhere Gewinnwahrscheinlichkeit erzielen als das Casino. Eine Reaktion letzterer bestand darin, die Regeln anzupassen und zum Beispiel mit einer höheren Anzahl an Karten (Stapeln) zu spielen. Rasch stellte sich heraus, dass das Buch zu einem Segen für Casinos wurde: Spieler strömten in großer Zahl in die Spielhallen – viele hatten nicht die Geduld oder den Fleiß oder die Fähigkeit, die Gewinnstrategie umzusetzen, und unter dem Strich standen dicke Gewinne für die Häuser. Dennoch gelingt es immer wieder einzelnen Spielern, profitabel zu spielen – was häufig zu Spielsperren bzw. Hausverboten in Casinos führt. Wie Statista berichtet, sollen beispielsweise in der Schweiz im Jahr 2014 knapp 4.000 Spielsperren verhängt worden sein.

Online-Simulationen

Dank der Entwicklung moderner Hardware und Software wird es immer einfacher, Spielstrategien und Gewinnwahrscheinlichkeiten zu simulieren. Zum Beispiel gibt es eine Excel-Simulation und eine Statscorer-Variante. Dort wird anschaulich gezeigt, dass bei einfachen Strategien die Bank immer gewinnt (natürlich langfristig bzw. stochastisch betrachtet). Am besten schneidet der Spieler ab, wenn er die Strategie der Bank kopiert: bis zu 16 Punkten eine weitere Karte ziehen, bei 17 oder mehr stoppen. Das Casino gewinnt häufiger, weil der Spieler zuerst spielen muss und beim Überspielen verliert, ohne dass der Croupier ein Risiko eingehen muss. Zieht der Spieler auch bei 17 Punkten noch eine weitere Karte, so ist er zu mutig, seine Gewinnchance verschlechtert sich. Analog ist die Strategie „Keine (weitere) Karte“ („stay“) bei 15 Punkten zu vorsichtig (konservativ, ängstlich).

R zur Blackjack-Simulation

Selbstverständlich kann man auch R einsetzen, um Blackjack zu simulieren. Das geht zum Beispiel mit diesem Online-Simulator, der auf R basiert. Dort kann man einige Regel-Varianten einstellen, z. B. mit wie vielen Decks gespielt wird, ob Doubling erlaubt ist, ob Doubling nach Splits erlaubt ist, und wie die Auszahlungen aussehen. Bei ein paar hundert simulierten Spielen kann man durchaus in Gewinnbereiche kommen – der Vorteil der Bank ist nicht so groß, dass man immer schnell verlieren müsste. Der Quellcode ist auf der Seite zum Download verlinkt.

Wer mag, kann sich auch auf dem Portal R-bloggers mit R-Code beschäftigen. Dort gibt es einen Beitrag mit dem schönen Titel Simulation of Blackjack: the odds are not with you, der elegant an Star Wars erinnert. Der Code ist durchaus lehrreich und erfreulicherweise sehr ausführlich kommentiert. Kernstück ist eine benutzerdefinierte Funktion, zudem kommen ausführliche for- und while-Schleifen sowie zahlreiche if-Bedingungen zum Einsatz. Die Visualisierung kommt leider etwas kurz – man sieht am Ende nur ein unspektakuläres Histogramm. Eine weitere Blackjack-Simulation in R liefert The Beginner Programmer – ebenfalls auf Englisch. Statt zu simulieren, kann man natürlich auch „real“ spielen. Für Blackjack werden einige Varianten angeboten, z. B. Klassisch, Atlantic City, Europäisch, Double Deck-Versionen oder High Hand Blackjack.

Zahlen zu Glücksspielen



Die Webseite automatisch-verloren.de beziffert den deutschen Glücksspielmarkt für das Jahr 2013 auf 33,4 Milliarden Euro (ohne Soziallotterien, Telefongewinnspiele, Sportwetten und Online-Glücksspiele von privaten bzw. ausländischen Anbietern!). Bedenklich: gut zwei Drittel der Spielsüchtigen sind verschuldet, rund ein Sechstel mit mindestens 25.000 €.

Deutsche verlieren Milliarden durch Glücksspiel

In einer Rangliste von Nationalstaaten, absteigend sortiert nach Verlusten im Glücksspiel, belegte Deutschland für das Jahr 2013 den 7. Platz. Spitzenreiter sind die USA, gefolgt von China und Japan. Mit Italienern (4.) und Briten (5.) verzeichneten zwei europäische Nationen höhere Glücksspiel-Verluste als die Deutschen. Dazwischen liegt auf Rang 6 noch Australien. Die Top 10 werden komplettiert durch Frankreich, Kanada und Spanien.

Wo Geld verloren wird, wird auch Geld verdient. Folgende Statistik habe ich für die Verteilung von einem Euro Lotto-Einsatz gefunden:

Verteilung der Lotto-Einnahmen

Demnach geht etwas weniger als die Hälfte der Einnahmen (49 Cent pro Euro bzw. 49%) als Gewinnausschüttung an Spielteilnehmer. Den zweitgrößten Anteil (knapp ein Viertel) stellen Aufwendungen für Sport, Kultur, Denkmalpflege und Soziales dar, gefolgt von der Wett- und Lotteriesteuer (ca. ein Sechstel). Provisionen für Verkaufs- und Bezirksstellen betragen nur rund 8%; der Personal-, Sach- und Werbeaufwand schlägt mit 3% zu Buche.

SPSS - Das "A" fehlt nicht umsonst

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