Marktforschung: Gehaltsstudie 2014

200-Euro-Schein

Wie entwickeln sich die Gehälter in der Marktforschungsbranche? Marktforschung.de veröffentlichte in Zusammenarbeit mit tivian die Gehaltsstudie 2014. Einige Zahlen:

200-Euro-Schein

  •  Durchschnittliches Jahreseinkommen in der Marktforschung 2013/14: 54.290 €
  • Dieser Wert liegt um rund 3.700 Euro signifikant über dem Durchschnittsgehalt 2011/2012;
    allerdings war das ein Rückgang gegenüber 2010/11;
    die Studienautoren werten die Veränderungen als „unsystematische Schwankungen“; der Korridor liegt zwischen 52.000 und 56.000 Euro
  • Vergleich zum Vorjahr (2012/13): +4%
  • Vergütungsaspekte wie variable Gehaltsanteile, Überstundenvergütungen, Zuschüsse zur betrieblichen Altersversorgung, Firmenwagen etc. sind berücksichtigt
  • Stichprobengröße: 4.040 Personen;
    Teilnehmer mit Angaben unter 15.000 € und über 280.000 Euro wurden ausgeschlossen

Mittelwert vs. Median

  • Das Durchschnittseinkommen wird von „Ausreißern nach oben“, also besonders hohen Einkommen beeinflusst, daher liegt der Median niedriger:
    Medianeinkommen in der Marktforschung 2013/14: 45.712 Euro
  • Interpretation: 50% der Marktforscher verdienten 2013/14 über 45.712 Euro pro Jahr, die anderen 50% verdienten bis maximal diesen Betrag
  • Korridor für den Median in den letzten vier Jahren: 45.000 bis 48.000 Euro

Zum theoretischen Hintergrund vergleiche Mittelwert oder Median? Beschreibung der Einkommensverteilung.

Einkommen in der Marktforschung: Einfluss der Bildung

  • Bildung: „Studium lohnt sich“
  • Abstand zwischen Bachelor- und Masterabsolventen: rund 5.700 € / Jahr;
    gegenüber früheren Erhebungen stark gesunken! (war über 10.000 €)
  • Masterabsolventen: erstmals unter 50.000 € / Jahr;
    Bachelorabsolventen: erstmals über 40.000 € / Jahr;
    Promovierte: 78.000 € (Vorjahr: 71.000 €)
  • FH-Absolventen verdienen seit 2012/13 mehr als Universitäts-Absolventen!
    FH (Bachelor und Master zusammengefasst): ca. 64.000 € pro Jahr;
    Universität (Diplom und Magister zusammengefasst): etwas unter 60.000 €
  • Fachrichtung:
    Soziologie: ca. 49.000 €
    Volkswirtschaftslehre: ca. 54.000 €
    BWL, Psychologie: ca. 56.000 bis 59.000 € / Jahr

Einkommen in der Marktforschung: Unternehmensart und Betriebsgröße

  • Unternehmensart:
    betriebliche Marktforschung: Durchschnittseinkommen 66.729 € / Jahr
    Unternehmensberatung: 54.754 €
    Markt- oder Sozialforschungsinstitut: 51.354 €
  • Unternehmensgröße:
    Ab 101 Mitarbeitern über 50.000 € / Jahr; vorher kaum Unterschiede;



    über 500 Mitarbeiter: über 60.000 € / Jahr

Einkommen in der Marktforschung: Berufserfahrung

  • Berufseinsteiger: 33.967 €
  • nach 3 Jahren: 46.304 €
  • nach 6 Jahren: 55.445 €
  • über 10 Jahre: 70.000 €
  • über 20 Jahre: 100.000 €
  • Führungsverantwortung: Durchschnitt 71.626 € / Jahr;
    Geschäftsführung: 105.072 €

Geschlechtsunterschiede

  • aktueller Einkommensvorsprung der Männer: 14% (bisher: 22-24%);
    das entspricht 8.625 € (diesmal bezogen auf den Median);
    bereinigtes Gender Pay Gap: 8%, das entspricht 4.542 €;
    Bereinigung bedeutet gleiche Voraussetzungen, d. h. kontrolliert nach Bildungsabschluss, Studienfach, Berufserfahrung, Führungsverantwortung, Unternehmensart und -größe, Bundesland;
    zum theoretischen Hintergrund siehe Artikel zum Stichwort Drittvariablenkontrolle
  • In Ostdeutschland beträgt die Differenz nur 8% (!),
    in Westdeutschland dagegen 21%;
    die Befunde der Marktforschungsbranche entsprechen den branchenübergreifenden Verhältnissen
  • Mit steigender Berufserfahrung wachsen die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern

Regionale Einkommensunterschiede bei Marktforschern

  • Nord-Süd-Gefälle: +9.000 € / Jahr im Süden
  • Ost-West-Gefälle: -14.000 € / Jahr in Ostdeutschland

Rangliste = Bedeutsamkeit der Einkommensfaktoren bei Marktforschern

Ergebnisse von Regressionsanalysen zur Bedeutsamkeit der Einkommensfaktoren:

  1. Berufserfahrung
  2. Führungsverantwortung
  3. Unternehmensgröße
  4. Bildungsabschluss
  5. Bundesland
  6. Unternehmensart
  7. Geschlecht
  8. Studienfach

Dieser Beitrag ist ein Update zu Arbeitsmarkt Marktforschung in Zahlen.

Quelle: marktforschung.de

5 Gedanken zu „Marktforschung: Gehaltsstudie 2014“

  1. Beim Kommentieren warnt mein Browser mich mit folgender Meldung:

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    You might want to fix this 🙂

  2. Hallo liebe Statistiker,

    eine Frage zu Median / Durchschnitt an diesem Beispiel, da das Durchschnittseinkommen bald 1/5 höher als das Medianeinkommen ist: Ist es da noch zulässig den Mittelwert zu nehmen?
    Gibt es ein Maß für die Nähe einer Verteilung zur Normalverteilung?
    Gibt es einen Grenzwert, ab dem man den Durchschnitt nicht mehr nehmen darf?

    Danke für eine Aufklärung.

    1. Hallo,
      danke für die Frage! Es gibt meines Erachtens keine „harte Regel“, wann man den Mittelwert noch verwenden „darf“ und wann nicht. Daher kann ich auch keinen Grenzwert nennen. Klar ist, dass ein Mittelwert allein eine Verteilung nur unzureichend beschreibt und bestenfalls für einen schnellen Eindruck hilfreich sein kann. Am besten ist es natürlich, wenn man sich Zeit nehmen kann, Verteilungen genauer zu untersuchen. Diagramme können einen guten Eindruck vermitteln: z. B. Histogramm mit Normalverteilungskurve, Dichteplot (density plot) oder Punktdiagramme, wenn man eine stetige Variable für mehrere Gruppen vergleicht, oder Boxplots. Statistisch: der Vergleich von Mittelwert und Median kann einen Eindruck vermitteln, ob es einflussreiche Ausreißer gibt (beim Einkommen typischerweise nach oben).

      Für die Nähe zur Normalverteilung gibt es meines Erachtens nicht das eine Maß. Man kann Parameter wie Schiefe und Kurtosis angeben und/oder testen, ob es sich (annähernd) um eine Normalverteilung handelt. Ich empfehle den Shapiro-Wilk-Test. Es gibt auch den Kolmogorov-Smirnov-Test. Ungünstig bei diesen Tests ist, dass sie eher bei größeren Stichproben signifikant werden (im Sinne von signifikanter Abweichung von der Normalverteilung), aber gerade dann Abweichungen von der Normalverteilung bei statistischen Tests weniger kritisch sind als in kleinen Stichproben.

      Auch wenn Mittelwert und Median identisch sind, muss es sich nicht um eine Normalverteilung handeln. Es könnte z. B. eine symmetrische U-förmige Verteilung sein (wenige Werte im mittleren Bereich, viele Werte an den Rändern) oder eine zwei- oder mehrgipflige Verteilung.

Freue mich über Kommentare!