Fußball-WM: Politikfreie Zeit?

WM-Logo Brasilien 2014

Fußball-WM: Nach dem grandiosen Auftaktsieg der deutschen Elf gegen Portugal steigt die Stimmung in Richtung „Sommermärchen“ (Heim-WM 2006). Politische Themen sind gerade nicht so sehr gefragt … Wie stark sich das Interesse für aktuelle Themen verlagert, weiß Google:

Google Trends Januar bis April 2014
Quelle: Google Trends

Verglichen wird hier das Suchvolumen nach den Begriffen „Syrien„, „Ukraine„, „Finanzkrise“ und „WM 2014“ bei Google von Januar 2014 bis April 2014. Das höchste Suchvolumen dieser Zeitperiode entfiel auf „Ukraine“ in der Woche vom 2. bis 8. März 2014; dieses wird auf 100 normiert. Alle anderen Suchhäufigkeiten werden zu diesem Referenzwert in Beziehung gesetzt. Die Ukraine verzeichnet für den Vier-Monats-Zeitraum ab Jahresanfang einen Durchschnitt von 32 (also rund ein Drittel im Vergleich zur ersten Märzwoche). Bereits durchgängig auf Platz 2 liegt die Fußball-WM mit einem Durchschnittsindex von 27. Seit der Woche ab dem 20. April (Ostersonntag) ist die Fußball-WM das dominierende der vier Themen.

Das Interesse an Syrien rangiert mit einem Index von 5 unter „ferner liefen“. Die Finanzkrise erreicht einen glatten Durchschnittswert von 0!

Zum Vergleich der Zeitraum von April bis Juni (Stand: 19.6.):



Google Trends April bis Juni 2014
Quelle: Google Trends

Offenbar regiert seit dem Eröffnungsspiel fast nur noch „König Fußball“. Hier sind Tageswerte abgetragen. Die meisten Suchanfragen verzeichnete „WM 2014“ am 15. Juni, dem Sonntag vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft; dieser Tag wird auf 100 normiert. Im Vergleich dazu liegt der Durchschnittswert für „WM 2014“ über den Drei-Monats-Zeitraum seit April bei 13. Die Ukraine erreicht einen Indexwert von 2, Syrien und die Finanzkrise spielen mit 0 praktisch keine Rolle bei der Auslastung der Google-Server.

Fußball-WM: Angenehme Zeiten für Regierungen?

Die Feststellung, dass sich in Zeiten von sportlichen Großereignissen, insbesondere Fußball-Weltmeisterschaften, gut regieren lässt, ist nicht neu. Einige Stichpunkte:

  • Fußball-WM 2006, das „Sommermärchen“:
    Die Mehrwertsteuer wird von 16% auf 19% erhöht.
  • Fußball-WM 2010, Halbfinale Spanien – Deutschland:
    Beitragserhöhung für die gesetzlichen Krankenkassen
  • Fußball-EM 2012, Halbfinale Italien – Deutschland:
    Verabschiedung des umstrittenen Meldegesetzes

Quelle: SHZ – Wenn Deutschland jubelt, regiert es sich leichter

Finanzkrise – (fast) kein Thema mehr

Ich finde es schon etwas erstaunlich, wie wenig die Finanzkrise sich in den Suchanfragen widerspiegelt:

Außerdem wird zur Zeit über Tisa verhandelt. Hand aufs Herz: Wer weiß, worum es dabei geht? Es ist ein globales Dienstleistungsabkommen. Kritiker bemängeln die Geheimhaltung und befürchten, dass bislang staatlich erbrachte Leistungen wie Trinkwasserversorgung privatisiert werden sollen.

Wie denkt Ihr über Fußball-WM, Medienthemen und Politikinteresse?

Hier gibt es weitere Artikel zur Fußball-WM sowie zu Google Trends.




3 Gedanken zu „Fußball-WM: Politikfreie Zeit?“

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